Als 2005 Angela Merkel zur Bundeskanzlerin gewählt wurde, ging das mächtigste politische Amt in Deutschland zum ersten Mal an eine Frau. Damit gehört sie zu einem kleinen Prozentsatz an Frauen weltweit, welche die gläserne Decke durchbrachen und die Führung eines Staates übernahmen. Denn auch 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland wird Politik weiterhin vor allem von Männern gemacht. Motiviert durch Frage ob und wie höhere Frauenanteil die Politik verändern und warum Frauen weiterhin seltener als Männer politisch aktiv sind, nimmt dieses Seminar daher gezielt die Rolle von Frauen als politische Akteure in den Blick. Frauen in Exekutive, Legislative, und Wählerschaft werden in drei Themenblöcken beleuchtet.

 

Zunächst wird auf die Rolle von Frauen in der Regierung eingegangen. Dabei stehen zum einen Ministerinnen im Mittelpunkt. Wir fragen, wie oft Frauen es überhaupt in die Regierung schaffen und welchen Politikfelder sie dort in der Regel zugeordnet werden. Dabei wird kritisch diskutiert, inwiefern traditionelle Rollenbilder heute noch relevant für Kompetenzzuweisung sind. Weiterhin wird auf das höchste Regierungsamt, und konkret die Person Angela Merkels eingegangen. Wir hinterfragen, wie das Geschlecht der Kanzlerin im Wahlkampf thematisiert und instrumentalisiert wurde und inwiefern sie als Frau eine andere politische Agenda aufweist als ihre männlichen Vorgänger und Kollegen in anderen Ländern. Im zweiten Themenblock stehen Frauen in Parlamenten im Mittelpunkt und wir Überblicken sowohl Fragen der deskriptiven Repräsentation (zahlenmäßige Präsenz von Frauen) als auch der substantiven Repräsentation (Interessen von Frauen) sowie deren Zusammenhang. Zunächst wird die normative Frage, ob und warum geschlechtergerechte Repräsentation wünschenswert ist, ausführlich diskutiert. Weiter betrachten wir, wann es Kandidatinnen in den Bundestag schaffen und wo strukturelle Barrieren für gleiche Anteile der Geschlechter liegen. Danach gehen wir auf die Rolle der weiblichen Abgeordneten ein und hinterfragen, inwiefern diese die Interessen ihres Geschlechts (die ebenfalls noch zu definieren sind) im Parlament vertreten. Weiterhin schauen wir auf die Lokalpolitik, die oft als attraktiver für Frauen dargestellt wird und analysieren, ob dies in Deutschland zutrifft und warum (nicht). Der dritte große Themenblock widmet sich den Besonderheiten des weiblichen Teils der Wählerschaft. Wählen Frauen bei gleichen sozioökonomischem Ursprung – also bei gleicher Bildung und Einkommen wie ein Mann – anders? Wie reagieren insbesondere die Wählerinnen auf rechtsextreme und rechtspopulistische Parteiangebote? Inwiefern nutzen Frauen auch andere Formen der politischen Partizipation wie soziale Bewegungen?