Zu nahezu jedem philosophischen Großthema – Wahrheit, Gerechtigkeit, Schönheit, Moral, Geschmack, usw. – gibt es relativistische Positionen. In deren Rahmen werden etwa Thesen wie 'Geschmacksurteile können nur relativ auf persönliche Standards gefällt werden.' vertreten. Bereits nach überblicksartiger Sichtung lassen sich erste Gemeinsamkeiten zwischen manchen davon erkennen. Anhaltende Dissense in Bezug auf moralische Aussagen (z.B. 'Abtreibung ist moralisch (nicht) vertretbar.') dienen beispielsweise als Anlass, um für die Relativität von Moral zu argumentieren. Entsprechend werden hartnäckige Dissense im Bezug auf kulinarische Aussagen (z.B. 'Dieses Chili schmeckt (nicht) gut.') als Anlass genommen, um für die Relativität von Geschmacksurteilen zu argumentieren.

Im Seminar wird das Ziel verfolgt, durch Lektüre einschlägiger Texte relativistische Positionen im Bezug auf verschiedene Fragestellungen kennenzulernen und einzuschätzen. Damit soll ein Einstieg in die gegenwärtig mit neuem Eifer geführten Relativismusdebatten gegeben werden.
Zur Verwirklichung dieses Ziels werden zunächst verschiedene Formen des Relativismus untersucht. Relevante Fragen in diesem Bereich sind: Ausdrücke welcher Art werden relativiert? Worauf wird relativiert?
Weiterhin werden Begründungen für die jeweiligen Relativismen analysiert und verglichen. Welche Zwecke kann man angeblich (nur) mit einer relativistischen Konzeption von Wahrheit / Moral usw. verwirklichen? Welche (sprachlichen) Phänomene geben überhaupt Anlass dazu, eine relativistische Position zu entwickeln?
Schließlich soll auch auf Probleme solcher Positionen eingegangen werden. Öffnet man der Beliebigkeit Tür und Tor, wenn man relativiert? Kann man als Relativist überhaupt noch über die genannten philosophischen Großthemen debattieren?

Zur Vorbereitung sollten Teilnehmer sich besonders die Inhalte der Kapitel 1, 2 und 5 der Denkwerkzeuge wieder ins Gedächtnis rufen, da das dort entwickelte begriffliche Instrumentarium im Seminar zum Einsatz kommt.