Kritiker werfen der formalen Logik häufig vor, die von ihr vorrangig behandelten Formen des Schließens wären unzureichend, um alltägliches Argumentieren und Räsonieren zu beschreiben. Schnell rückt dabei das Deduktive Schließen in den Fokus der Kritik: Wenn man beispielsweise nach Abwägung verschiedener Alternativen darauf schließt, dass man den Schlüsselbund vermutlich auf dem Schreibtisch, nicht etwa in der Küche, vergessen hat, so kann eine Analyse als deduktive Argumentation problematisch sein. Immerhin ist die Wahrheit der Konklusion nur wahrscheinlich, nicht notwendigerweise wahr. Hier scheint ein Bedarf nach anderen Formen des Schließens zu bestehen, um alltägliche Formen des Schlussfolgerns zu beschreiben und zu unterstützen.

 

So kann man sich etwa dem (informellen) induktiven Schließen bedienen, um von Aussagen auf eine Konklusion zu schließen, die lediglich wahrscheinlich ist. Dabei stellt sich allerdings die Frage, wann derartige Schlüsse (in)korrekt sind. Verlässt man den Bereich der Deduktion, gibt man damit auch die mit dem Altbekannten verbundene Sicherheit auf und muss Grundsatzfragen neu beantworten.

 

Ziel des Seminars ist es, einen Überblick über verschiedene Formen des nicht-deduktiven Schließens und ihre Anwendung zu gewinnen. Dazu werden zunächst die Probleme bzw. Defizite der deduktiven Logik dargestellt, so wie diese von ihren Gegnern verstanden werden. Im Anschluss wird auf Lösungsvorschläge eingegangen.

 

Die Seminarliteratur wird zu Beginn des Semesters bekanntgegeben, Interessenten sind jedoch eingeladen zur Vorbereitung den Artikel „The Problem of Induction“ der Stanford Enzyclopedia of Philosophy zu lesen.