Die Gottesfrage ist ein Standardbeispiel für eine ›große‹ philosophische Frage. Trotz dieser prominenten Position wird sie oft in gewisser Weise trivialisiert. Ob Gott existiert, das könne man nicht objektiv beantworten, sondern es ist eine persönliche Entscheidung, so wird häufig räsoniert. Verschiebt man die Gottesfrage in den Bereich der persönlichen Präferenzen, so hat eine Aussage wie 'Es gibt einen allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde' einen vergleichbaren Status wie 'Schokolade ist der beste Eisgeschmack'. Entscheidet man sich dagegen, die Gottesfrage im Bereich des persönlichen Gutdünkens zu entsorgen, wird man mit den klassischen Problemen konfrontiert: Wie kann man für oder gegen die Existenz Gottes argumentieren?

 

Wesentlich bei der Beantwortung solcher Fragen ist zunächst die Begriffsklärung. Wer den Ausdruck 'Gott' synonym mit 'eine Ursache des Urknalls' verwendet und 'existiert ..' wie ein theoretischer Physiker gebraucht, der hat sich als Theologe oder Philosoph elegant ins Abseits manövriert und den Ball der Gottesfrage den Naturwissenschaften zugespielt. Wer hingegen 'Gott' wie 'ein bärtiger Mann auf einer Wolke, der die Blitze wirft' verwendet und die Existenzrede auf Basis von Beobachtungen gebraucht, der kann die Gottesfrage trivialerweise verneinen. Mit diesem Ansatz hat man jedoch augenscheinlich ›den Kern der Sache‹ verpasst.

 

Ziel des Seminars ist es, einen Überblick über neue Beiträge aus der Religionsphilosophie zur (Nicht-)Existenz Gottes zu gewinnen. Dabei geht es einerseits um eine systematische Auseinandersetzung mit den konkret vorgebrachten Argumenten als auch um eine abstraktere Beschäftigung mit den allgemeinen Schwierigkeiten bei der Beantwortung der Gottesfrage. Ein zentraler Punkt wird etwa die Frage sein, wie man 'Gott' überhaupt definieren kann. Dies kann eine Vorbereitung zur Auseinandersetzung mit der Gottesfrage im Schulunterricht darstellen.

 

Als Seminargrundlage wird zunächst Ansgar Beckermanns 'Glaube' (2013, De Gruyter) dienen. Die Anschaffung und Lektüre dieses Werks vor Semesterbeginn wird empfohlen.

 

Literatur:

 

Beckermann, Ansgar: „Glaube“. De Gruyter Verlag. Berlin (2013).

 

Tapp, Christian: "Infinity in Mathematics and Theology", in: Theology and Science 9 (2011), S. 91–100.

 

Tetens, Holm: „Gott denken. Ein Versuch über rationale Theologie“, Stuttgart (2015).