Die Phänomenologie, wie sie von Edmund Husserl in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auf den Weg gebracht wurde, versteht sich als eine transzendentale Philosophie des Bewusstseins. Ihr Anspruch ist die Erforschung der wesentlichen Strukturen bewussten Erlebens, ihr Gegenstand mithin die Weisen, in denen Menschen denken, urteilen, fühlen, empfinden, wahrnehmen, phantasieren, mit einander sprechen, sich bewegen oder es lassen, sich finden und verlieren und sich überhaupt umfassend ihrer selbst und anderen bewusst sind. Mit diesem Anspruch und Gegenstand muss sich die Phänomenologie seit jeher gegen zwei Bereiche der Bewusstseinserforschung abgrenzen – gegen ihre empirische und ihre spirituelle Kehrseite. Also einerseits gegen die durch Beobachtung und Experiment gewonnen Einsichten der Psychologen und Neurowissenschaftler. Andererseits gegen die durch Meditation und Ekstase gewonnen Einsichten der Mönche, Magier und Mystiker.

Im Seminar werden wir uns nach einer basalen Aneignung phänomenologischer, psychologischer und psychonautischer Verfahren einigen entsprechenden Kartografien des Bewusstseins widmen und zueinander ins Verhältnis setzen.