Das Seminar bietet eine Einführung in kompositorische, ästhetische und inszenatorische Praktiken im Musiktheater der Gegenwart, die aus ganz unterschiedlichen Zusammenstellungen von Geste, Form und Klang resultieren. Die Kom-position dieser Elemente spielt sich dabei nicht nur oft im Spannungsfeld zwischen Instrumentalmusik und Sprechtheater ab, sondern ist ebenfalls Teil ästhetisch-politischer Ausrichtungen wie des kritischen Komponierens oder künstlerischer Reflexionen auf die Musikgeschichte. Nicht zuletzt spielen praktische Aufführungsbedingungen von Musiktheaterinstitutionen für Neukompositionen von Opern im 21. Jahrhundert eine Rolle.

Ausgehend von Helmut Lachenmanns Musik mit Bildern Das Mädchen mit den Schwefelhölzern (UA 1997), die oft als "erste Oper des 21. Jahrhunderts" bezeichnet wurde, werden unterschiedliche Musiktheaterkompositionen der Gegenwart behandelt, darunter Heiner Goebbels Stifters Dinge (2007), Jörg Widmanns Babylon (2012) und Peter Eötvös' Der Goldene Drache (2014). Darüber hinaus wird es Einblicke in Musiktheaterwerke jüngerer Komponistinnen und Komponisten geben wie von Oscar Bianchi (Thanks to my eyes, 2011). Um die Inszenierungen eingehend behandeln zu können, sind einzelne Seminarsitzungen als Sichttermine für die Videomitschnitte vorgesehen.

 

Jörn Peter Hiekel, Neue Musik in Bewegung. Musik- und Tanztheater heute, (= Veröffentlichungen des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung Darmstadt 51), Mainz 2011.

Themenheft "MusikTheater" der Zeitschrift Positionen. Beiträge zur Neuen Musik 55 (Mai 2003).

Helmut Lachenmann, Musik als existentielle Erfahrung: Schriften 1966-1995, Wiesbaden 1996.

Jürgen Schläder, Das Experiment der Grenze. Ästhetische Entwürfe im Neuesten Musiktheater, Leipzig 2009.

Hans-Klaus Jungheinrich, Identitäten. Der Komponist und Dirigent Peter Eötvös, Mainz 2005.

Wolfgang Sandner (Hg.), Heiner Goebbels. Komposition als Inszenierung, Berlin 2002.

Hermann Danuser (Hg.), Musiktheater heute, Basel 2003.