Der Kontraktualismus gilt als eine der bedeutendsten normativen politischen Theorien. Er basiert auf der gegenseitigen, vertraglichen Zustimmung der Mitglieder eines Staates. Dabei treten die Individuum aus einem Naturzustand heraus und bilden ein gemeinsames Staatswesen. Doch schon wenn es darum geht, zu bestimmen, was der Naturzustand (logisch oder historisch) sein soll, oder wozu es einen solchen Staatsvertrag braucht, besteht seit der Aufklärung ein fundamentaler Dissens zwischen Vertragstheoretikern. Was genau fällt also unter das Konzept Kontraktualismus? Welche Menschenbilder und politische Ideologien sind damit verbunden?

Dieses Lektüreseminar soll sich mit einer Strömung des Kontraktualismus, die manchmal auch als Kontaktarianismus bezeichnet wird, befassen, um sich diesen Fragen anzunähern. Dabei geht es um diejenigen politisch-philosophischen Ansätze, deren primäre Vertragsziele die (tendenziell absolute) Souveränität des Staates sowie der Schutz und Erhalt des Individuums sowie der Staatsgemeinschaft sind. Dazu verpflichten sich alle Vertragspartner gegenseitig dazu, ihre Schutzrechte einzuhalten und das staatliche Gewaltmonopol zu achten. Der prominenteste Vertreter dieser Theorie ist Thomas Hobbes, der den rechtlosen Naturzustand und Bürgerkrieg vermeiden will. Aufbauend auf seine Theorie werden in diesem geschichtsphilosophisch orientierten Hauptseminar ähnliche Vertragstheoretiker behandelt, etwa David Gauthier und Gilbert Harman. Auch John Locke soll thematisiert werden, gerade da fraglich ist, inwiefern er dieser Strömung des Kontraktualismus zuzuordnen ist. Ziel des Moduls ist es, einen Überblick über kontraktualistische Konzepte zu gewinnen, die verschiedenen Ansätze zu kontextualisieren, zu vergleichen und ihre Plausibilität zu prüfen, um sich der Frage anzunähern, ob und wenn ja, wie ein legitimes politisches Zusammenleben mit Vertragstheorien organisiert werden kann.

Hinweis: Als Ergänzung hierzu fungiert das Seminar „Bürgerliche Rechte und Freiheiten im Kontraktualismus“.